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Black Castle '98

(ein Zeichen des Friedens)

 

Black Castle 1998

Vom 30.04.-03.05. 98 veranstalteten einige Pfadfinderleiter aus Heining und Kirchdorf das Jurtenwochenende "Black Castle" in der Messerscmidmühle. Gemeinsam mit ca 150 Pfadfindern aus ganz Deutschland bauten sie dort innerhalb von weniger als 48 Stunden fast nonstop eine riesige Burg aus Schwarzzelten. Bei teilweise strömenden Regen entstand so aus 25 Jurten, 2 Doppelhochkohten, mehreren tausend Metern Seil, 300 Häringen, und vielen mehr ein Peace-Zeichen aus Zelten. Damit wollten sie ein Zeichen des Friedens setzen und die Menschen auffordern etwas friedlicher durchs Leben zu gehen. Als krönenden Abschluß spielte die Band "Hard Attack" am Samstag Abend in der Jurtenburg.

 

Black Castle 1998 - Luftbild


Black Castle

Jurtenbau mit niederbayerischen Proportionen

160 PfadfinderInnen aus dem gesamten Bundesgebiet kamen in die Diözese Passau, um gemeinsam eine überdimensionale Jurtenburg aufzustellen.

Es war schon ein seltsamer Anblick, als ich am Abend des 2. Mai von einem Hügel aus dieses Ungetüm von einem Zelt bestaunte, das in vielen bunten Farben leuchtete und von der Musik sowie der Menschenmasse in seinem Inneren zu vibrieren schien. Das Abschlussfest war in vollen Gange und trotz des kalten Dauerregens herrschte eine Stimmung unter den Anwesenden, die Eisberge zum schmelzen gebracht hätte.
Doch halt – zu diesem Zeitpunkt lag bereits ein langer Weg hinter Black Castle, und so will ich die Geschichte von Anfang an erzählen.

 

 

Die Idee

Wenn es in unserem Zeltlager an den Aufbau der Jurte ging, begann meist ein Trauerspiel in mehreren Akten, das erst nach einigen Stunden sein klägliches Ende fand. Allzuoft sah das Ergebnis mehr einer Umkleidekabine als einem Zelt ähnlich und schon öfters wurde der Wunsch geäußert, sich in Sachen Schwarzzelten doch etwas mehr Wissen anzueignen.
So traf es sich, dass am 20.12.97 drei Pfadfinder aus den Stämmen Kirchdorf und Heining in einer Kneipe saßen und über dieses Thema diskutierten. Bald schon stand fest:
Ein Jurten- und Kohtenbauwochenende musste her, und wie es an solchen Abenden ist, sollte es ein riesiges Schwarzzeltmonument werden. Dazu wollte man PfadfinderInnen ab 16 Jahren aus ganz Deutschland und aus allen Verbänden des Ringes einladen.

 

 

Die Planung

Zunächst galt es, Gleichgesinnte zu finden und mehr Leute von dem Vorhaben zu begeistern. In kurzer Zeit bildete sich ein Team von 10 Leuten, der Name „Black Castle“ stand fest und als Ort wurde der Jugendzeltplatz der Diözese Passau in der Messerschmidmühle gewählt. Einladungen an Diözesanbüros wurden verfaßt, Stämme per Internet angeschrieben und die Mundpropaganda in Passau erreichte ihren Höhepunkt. Zu dieser Zeit erntete man nur ein „aahh, nicht schon wieder!“, wenn man das Wort Jurte nur laut dachte. „Ein Unternehmen dieser Größe, das nicht von “oben“ organisiert wird, sondern von zwei Stämmen in Eigenregie, das kann ja nichts werden!“ So oder so ähnlich dachten viele und auch ich gehörte zum Kreise jener, denen dieses Thema ein breites Grinsen ins Gesicht trieb.
Doch allmählich nahm das Luftschloß Formen an, denn es wurde viel getan:
Finanzierungsplan erstellen, Spenden eintreiben, Zuschüsse beantragen, ein Küchenteam organisieren, Material besorgen, das Lagerheft gestalten, ein Versammlungszelt auftreiben, Referenten anfragen und vor allem: TeilnehmerInnen werben! Drei Wochen vor Anmeldeschluss standen nur drei Namen auf der Liste und die Kritiker schienen Recht zu behalten.
Aber kurz darauf meldeten sich über 100 Leute von der PSG, BdP und DPSG an, und so konnte es in die letzte Vorbereitungsphase gehen. Der inhaltliche Ablauf wurde geplant, Lagerhelfer mussten angefragt werden, Getränke und technische Anlagen wie Licht, Musik und Diaprojektoren wurden bestellt, Versicherungen wurden abgeschlossen, usw.
Als mich Alex anfragte, ob nicht Lust hätte, im Presseteam mitzumachen, ahnte ich nicht, was noch alles auf uns zu kam.
Derweilen beschäftigte sich ein kleines Team mit der Technik des Jurtenaufbaus, da lange nicht feststand, wie das Endergebnis nun aussehen sollte. Zu dieser Gruppe gehörten Alex aus Heining, Anderl, Evi und Kine aus Kirchdorf, Drago Engelbrecht aus Ingolstadt, Carsten Dern aus Gießen (er hatte bereits das Jurtenfestival 1995 organisiert ? Zeltburg in Form einer Lilie), sowie einige Fachleute aus Ingolstadt. Bei einem Vorbereitungstreffen standen zwei Vorschläge zur Auswahl: einmal eine grosse Pyramide, ähnlich einem Zirkuszelt, zum anderen die Form eines „Peace“- Zeichens. Schließlich entschied eine Münze und der Grundriß des Peacezeichens wurde ausgetüftelt. Die 25 Jurten und zwei Doppelhochkohten, die dazu benötigt wurden, brachten die TeilnehmerInnen selbst mit.
Nun konnte es losgehen:

 

 

Die Aktion:

Als am Donnerstag, den 30.4.98 die ersten Pfadis eintrafen, waren die Positionen der einzelnen Jurten bereits ausgemessen und markiert. Jede Gruppe bekam eine Nummer (und damit einen Standort) zugewiesen und wurde kurz über den Ablauf des Aufbaus informiert.
Zum Auftakt am Donnerstag abend waren leider noch nicht alle Pfadis eingetroffen und so versäumten einige die einleitenden Worte von Anderl zum Thema Frieden (das inhaltliche Motto der Veranstaltung, bei einem Peace-Zeichen naheliegend), die Diashow der Entstehungsgeschichte, die Vorstellung der Workshops und die Präsentation des Black Castle-Songs. Dieses Lied wurde eigens für das Wochenende geschrieben und vom Vorbereitungsteam eingesungen, sprich: es ist wie jede andere Art musikalischer Betätigung Geschmackssache!
Im Flutlicht des Technischen Hilfswerkes schufteten die TeilnehmerInnen anschließend bis um 2.00 Uhr nachts. Danach stand immerhin ein Mast (nebenbei gesagt: die 15    500 kg schweren Telegraphenmasten lagen am Ende genauso unberührt auf ihrem Fleck wie zu Beginn; sie waren halt doch etwas zu groß, gell, Drago...). Die Arbeitsaufteilung hätte angesichts einiger ratlos umherstehender Menschen durchaus noch etwas ausgefeilter sein dürfen, aber die Aufbau - Atmosphäre war äußerst angenehm, da auch das Wetter die ersten zwei Tage hervorragend war.Freitag abend zogen dann die ersten Wolken auf und der darauf folgende Regen sollte uns bis Sonntag früh begleiten. Eine nette und äußerst amüsante „Kleinigkeit“ war die täglich erscheinende Lagerzeitung mit dem Namen „Der Papiertiger“, die uns so manchen Toilettenbesuch versüsste.
A propos Toiletten: Wir entschuldigen uns nochmals für die anfangs eiskalten Duschen (obwohl das für einen Pfadfinder kein Problem darstellen dürfte!?), aber seht es positiv: wer aus dieser Dusche lebendig herauskam, den konnte nicht mehr frieren!
Und wem dieses Überlebenstraining noch nicht reichte, konnte sich im Survival-Workshop bei Christian (BdP) über den Fang von Fischen, deren fachgerechte Zerlegung und andere schöne Dinge informieren.
Der Aufbau ging am Freitag sehr zügig voran und trotz strömenden Regens arbeiteten alle Anwesenden bis nachts um 3.00 Uhr. Das schlechte Wetter schien die Laune nur noch mehr aufzuheizen! Dazu wurde man von dem hervorragenden Küchenteam rund um die Uhr versorgt!
Nun konnte man schon gut erahnen, was es einmal werden sollte.  Nachdem die zwei Hochkohten aufgestellt waren konnten Udo (BdP) und sein Workshopteam mit der Errichtung der Kohtensauna beginnen (eine tolle Sache, mit Mülltonnenofen, Ofenrohr und eingezogenem 1. Stock).
Am Samstag vormittag besuchten uns einige Leute von Amnesty International und klärten uns ein wenig über ihren Einsatz für mehr Frieden und Menschenrechte auf. Um 17 Uhr war es dann geschafft! 25 Jurten, zwei Kohten und über 4 km Seil hatten sich zu einem Friedenszeichen formiert und das innerhalb der selbstgesetzten Frist von 72 Stunden! Bemerkenswert war die Art der Jurtenaufhängung, da nahezu alle Dächer von seitlichen Auslegern der 13 grossen Masten gehalten wurden. Es lebe die Statik!

 

 

Das Fest

Der Samstag abend war für das Abschlussfest reserviert und trotz der Nässe entschieden wir uns dafür, ihn in der Jurtenburg zu verbringen. Um das Risiko von Regenschäden am Bandequipment zu minimieren, stellten wir kurzerhand noch ein Georg-Zelt unter die „Bühnenjurte“.
Max, Kurat aus dem Stamm Heining, leitete den Abend mit einem Gottesdienst ein, der das Thema „Frieden“ noch einmal hervorhob.Als danach die Gruppe „Hard Attack“ zu spielen begann, fing die Wiese an zu toben und das Bild der ausgelassen im Dreck hüpfenden Rhythmusjünger erinnerte doch sehr an ein Festival namens Woodstock! Eine spontane Vollplayback-Aufführung des Black Castle-Songs bereitete den nächsten Höhepunkt vor: den Auftritt von DJ Hupfi, DER lokalen Disk Jockey-Göße vom Stamm Pfarrkirchen. Ein netter Anwohner ließ uns daraufhin durch zwei Herren von der Polizei zukommen, dass die Musik auch bei ihm gut zu hören sei, was uns natürlich sehr freute aber die Stimmung keineswegs bremsen konnte.

 

 

Der Ausklang

Tja, und da stand ich nun auf diesem Hügel und konnte es vor lauter Erschöpfung gar nicht fassen, dass diese Schnapsidee Wirklichkeit geworden war. Es war wieder einmal faszinierend, was Pfadfinder alles erreichen können, wenn sie sich gemeinsam ein Ziel gesteckt haben. Ein tolles Gefühl, das die langwierige Organisation und die viele Arbeit mehr als aufwog.
Der Sonntag vormittag bestand zunächst darin, auf das Flugzeug mit dem Pressefotographen zu warten, das wegen des Regens lange nicht starten konnte, letztendlich aber doch kam. Der Reflexion folgte der Abbau, der glücklicherweise schneller von statten ging wie das Aufstellen der Zeltburg.

Auch wenn bei einigen Gruppen noch das ein oder andere Teil fehlte, verliessen alle TeilnehmerInnen diesen Zeltplatz mit dem Gefühl, an diesem Wochenende gemeinsam etwas großes „aufgebaut“ zu haben.

Danke nochmals an alle, die daran beteiligt waren!

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